Mast allgemein (Technik)

Erste Schritte damit der Mast steht

Wenn man kein Profi ist, dann am besten ganz von vorne. Der Mast steht auf dem Deck. Der Contender ist so gebaut, dass der Mast maximal hinten stehen sollte - aber mindestens 3050 mm Platz lassen gemessen zwischen Achterkante Mastnut (bei runden Masten die aufgenietete Nut einbeziehen) und dem Spiegel (nicht Achterkante Scheuerleiste) in Höhe des Decks. So will es die Klassenvorschrift. Das wird auf Meisterschaften auch gerne mal nachgemessen.

Damit der Mast nicht umkippt, gibt es das stehende Gut. Beschränken wir uns vorerst auf
Oberwanten, Salinge und Vorstag, also ohne die Babywanten oder Unterwanten. Die Püttinge der Wanten sind achtern vom Mast, so dass wir kein Achterstag brauchen. Die Salinge stabilisieren den Mast seitlich, damit er in dieser Richtung möglichst gerade bleibt.

Legen wir den Klappspanner am Vorstag um, verkürzen wir dieses und kippen den Mast nach vorne. Nun kommt Druck auf die Oberwanten. Der Mast will ausweichen. Wohin er ausweicht bestimmen die Salinge. Sind sie stark nach achtern gepfeilt, weicht der mittlere Bereich des Mastes stark nach vorne aus. Die Mastspitze peitscht nach achtern. Sind sie weniger stark gegfeilt, dann weniger. Der Mast bleibt relativ gerade. Etwas Biegung sollte er immer haben, was sich eigentlich auch nicht vermeiden lässt. Stichwort „Vorspannung“. Nach vorne sollte er nie biegen. Waren die Oberanten vorher schon recht stramm, so verstärken sie den Effekt der Salinge.
 
Nun zu den Babywanten. Ist der Klapphebel umgelegt, sollten die Babywanten gerade fest sein. Sie bilden das Widerlager zum Baumniederholer. Der Baumniederholer drückt zum einen den Baum gegen den Lümmel, zum anderen zieht er über den Baum am Achterliek, so dass über das Achterliek am Masttop gezogen wird. Beides biegt den Mast, allerdings an verschiedenen Stellen.

Damit die Kraft des Baumniederholers nicht in den Lümmel geht und den Mast dort unten biegt, haben wir die Babywanten. Sie halten den Lümmel, und die Kraft des Baumniederholers geht über das Achterliek in den Masttop.

Damit reguliert man während des Segelns die Mastbiegung und Achterliekkurve. Der Baumniederholer schließt erst mal das Achterliek, so dass wir Druck im Segel haben und früher ins Trapez können. Die Mastbiegung zieht am Vorliek und damit etwas Bauch aus dem Segel heraus.
 
Sind die Babyanten schon stramm kurz bevor der Klapphebel umgelegt ist, bleibt der Mast da unten stehen und der obere Teil wird nach vorne gezerrt. Das ergibt eine böse S-Biegung im Mast und viel Spannung auf den Oberwanten. Lässt man die Babywanten etwas lockerer, dann kann der Mast mehr über den Baumniederholer gebogen werden, so dass man durch die zusätzliche Mastbiegung mehr Bauch aus dem Segel zieht ohne das Achterliek zu schließen. Druckabbau! Genau dies kann gewollt sein, wenn man klein und leicht ist, und richtig viel Wind bläst.

Also noch mal. Viel Mastbiegung macht das Segel flacher und schließt das Achterliek später. Das kann man erreichen, indem man die Salinge stark nach achtern pfeilt und Druck über die Oberwanten gibt, die Babywanten locker lässt und auf dem Wasser am Baumniederholer reißt. Der Baumniederholer schließt aber zuerst mal das Achterliek, welches ebenfalls den Mast biegt.

Aber wie viel Mastbiegung braucht man? Die Antwort ist schwierig. Die Vorliekkurve des Segels muss zur Mastbiegung passen. Wie viel Bauch das Segel behalten soll hängt ab vom Wind, der Welle, dem Mast, was für ein Segel man hat, wie groß und schwer man ist, vielleicht auch vom Boot, wie gut man segeln kann und was einem persönlich liegt. Die Antworten sind etwas unbefriedigend, aber es gibt keine Werte, nur das eigene Gefühl. Gut fürs Gefühl sind jedenfalls Fotos vom Segeln oder sogar Videoaufnahmen. Die gibt es bei unseren Trainingveranstaltungen. Außerdem ist meist der Baumniederholer nicht fest genug, so dass Druck verloren geht. Also probieren - und zwar oft.
 
Passen Mastbiegung und Segel, muss evtl. das gesamt Rigg noch nach vorne (Vorstag tiefer, Oberwanten etwas höher, Babywanten anpassen) oder achtern geneigt werden. Die Erfahrung zeigt, dass eine tiefe Baumnock das Boot schnell macht. Bist Du 2,10 m groß oder hast einen Buckel, wirst Du in der Wende unter einem tiefen Baum stecken bleiben und das Boot kentern. Das macht Dich wieder langsam.

Eine tiefe Baumnock berührt leider auch raumschots eher das Wasser - und unweigerlich haut es Dich um. Probiere aus, was bei Dir funktioniert. Während Du probierst, wirst Du besser werden und die Baumnock tiefer nehmen können. Hier gilt: basteln, segeln, basteln.

Zum Vergleich habe ich mir die Freiheit genommen, aus dem Internet Auszüge aus dem „Trimm für Anfänger“ hier einzufügen:
 
(Zitat-Anfang)
„Der Mastfall bewegt sich zwischen 650 mm und 750 mm. Man misst von der Oberkante Spiegel zu dem Punkt am Großfall, der auf der Unterkante der untersten Messmarke am Mast zu liegen kommt. Gemessen wird bei gespanntem Rigg ohne Segel.

Man kann aber auch einfach Segel setzen, den Baumniederholer ziehen, bis es weh tut und noch einen Meter weiter. Dann kontrolliert man, ob der Kopf noch zwischen Deck und Baum durchpasst.

Zuviel Mastfall schadet weniger als zuwenig. Riggspannung hat man eigentlich genug, wenn man das letzte Want bei offenem Hebelspanner gerade noch eingehängt kriegt. Die Salinge sollten so eingestellt sein, dass der Mast ohne Segel kerzengerade ist. Die Unterwanten nur ganz locker gegensetzen. Bei viel Wind kann man Druck loswerden, indem man sie etwas löst.

Der Baumniederholer ist das Gaspedal im Contender und sollte reichlich übersetzt sein. Ein anderer Weg, das Achterliek bei Wind unter Kontrolle zu bekommen, ist ein sehr flaches Traveller-Bändsel. Dann sollte die Großschot allerdings 1:4 übersetzt sein. Ganz harte (z. B. ich [Kleine Briese]) fahren sie 1:3 ohne Knarre - geht auch und ist einfach direkter. “
(Zitat-Ende)

Zum Schluss noch eine Weisheit aus dem Ingenieursleben: Was biegt, bricht nicht!
Contessa+Dirk (GER-395)