Der erste niederländische Weltmeister im Contender ist, wie man so schön sagt, „in the books“: Pim van Vugt. Eine Weltmeisterschaft, die wettertechnisch alles zu bieten hatte – von Starkwind und Regen bis hin zu Flaute und Sonnenschein.
Für mich war es nach 2025 die zweite Weltmeisterschaft. Mit dabei war Max, mit dem ich mir die Schlafplätze im Bus teilte. Wir reisten bereits am Freitag an, dem letzten Tag der Pre-Worlds. Die vom Regattacenter schließlich doch noch in erweitertem Umfang zur Verfügung gestellten Campingflächen waren bereits größtenteils belegt – eine Seite mit, die andere ohne Strom. Um den eigenen Energiebedarf sicherzustellen, musste der ein oder andere ein wenig erfinderisch werden. Am Ende reichte nachts eben auch mal ein Stromkabel quer über den öffentlichen Fahrradweg.
Am Samstag konnten wir wie geplant unsere online gebuchten Vermessungsslots wahrnehmen. Organisatorisch lief die Vermessung reibungslos und schnell ab, auch wenn ich noch einige Korrekturgewichte an Mast und Boot anbringen musste. Das war allerdings der einzige Stress des Tages. Abends machten Max und ich es uns mit den anderen am Camper gemütlich – Nudeln, die letzten Sonnenstunden des Tages und ein alkoholfreies Bier. Viel mehr braucht es manchmal nicht.
Das Practice Race am Sonntag ließ ich aus. Stattdessen erledigte ich die letzten Arbeiten am Boot und genoss einen Mokka mit meinem ehemaligen Laser-Kollegen und guten Freund Fabian Gielen. Alte Geschichten kamen auf den Tisch, und für einen Moment fühlte es sich an wie früher.
Als die anderen vom Wasser zurückkehrten, gab es einiges zu erzählen. Das Practice Race war überraschend verlaufen – allerdings nicht wie sonst aus eigenen seglerischen Gründen. Aufgrund eines Eingabefehlers in der unterstützenden Kurs-App lag die Luvtonne viel zu weit auf der linken Seite, sodass bereits direkt nach dem Start ein Anlieger möglich war. Nach etwas Verwunderung ließ sich der Vorfall aufklären.
Am Sonntagabend zeigte sich schließlich auch das Wetter von seiner besseren Seite. So konnte die Eröffnungsfeier in stimmungsvoller Atmosphäre auf der Burg Radboud im östlichen Teil Medembliks stattfinden. Ein rundum gelungener Abend, auch wenn die Häppchen schnell leer waren.
Der erste Wettfahrttag begann – wie alle folgenden – mit einer geplanten Startzeit um 13 Uhr. Bei rund 20 Knoten Wind ging es sportlich hinaus aufs Wasser. An solchen Tagen fragt man sich schon einmal, warum man sich das eigentlich antut. Doch spätestens nach den Rennen im Hafen stellte sich nach kurzem Durchatmen wieder dieses besondere Glücksgefühl ein.
In den Böen wurden bis zu 28 Knoten gemessen. Im ersten Rennen startete ich ganz rechts gemeinsam mit Paul. Wir konnten uns gut behaupten und flogen mit den anderen fünf Booten auf dem Reach durch die kurze Welle Richtung Tonne – ein echter Ritt mit Anschnallpflicht. Bereits beim Abfallen wurde ich so heftig ins Cockpit geschleudert, dass ich eine Kenterung gerade noch verhindern konnte. Erst einmal hieß es sortieren. Graeme erwischte es direkt vor mir an der zweiten Tonne, während Christoph routiniert im Trapez vorbeiglitt. So ist das manchmal…. irgendwie hatte mit den Bedingungen zu kämpfen, und einige hatten bereits vor dem Auslaufen entschieden, im Hafen zu bleiben.
Der zweite Tag sollte laut Vorhersage noch mehr Wind bringen, tatsächlich war es draußen aber etwas angenehmer. Im ersten Tagesrennen rundete ich als Zweiter die Luvtonne, musste danach jedoch konditionell etwas Federn lassen. Als Fünfter erreichte ich auch in der zweiten Runde das Gate, bevor es auf die Zielkreuz ging. Ich entschied mich für die rechte Tonne, wollte kurz auf die rechte Seite fahren, verpasste jedoch den ersten Rechtsdreher, während die vier Boote vor mir frei wenden konnten.
Etwa 200 Meter voraus erkannte ich eine weitere Windkante. Ich wendete und konnte immer höher fahren. Am Ende standen dort knapp 20 Grad Rechtsdreher bei rund 25 Knoten Wind. Mit wehenden Fahnen segelte ich tatsächlich zum Tagessieg. Was für ein Gefühl! Fast schon etwas beschämt überquerte ich die Ziellinie – auf der linken Seite herrschten schätzungsweise fünf Knoten weniger Wind.
Den Abend verbrachten wir ausnahmsweise ohne Nudeln, blieben der italienischen Küche aber mit Pizza in der sehenswerten Innenstadt treu. Endlich etwas Entspannung, denn für Mittwoch waren deutlich moderatere Bedingungen angekündigt.
Für rund 25 Teilnehmer war es der erste richtige Regattatag auf dem Wasser. Zwei Wettfahrten konnten bei 9 bis 13 Knoten Wind gesegelt werden. Max sicherte sich dabei seinen ersten Tagessieg – eine starke Leistung. Auch die Wartezeiten zwischen den Starts ließen sich bei angenehmeren Temperaturen und weniger Wind deutlich besser ertragen.
Zur Begrenzung der Ziellinie wurde das Pin-End-Boot genutzt, das nach jeder Wettfahrt wieder nach Lee verlegt werden musste. Das kostete an jedem Wettkampftag zusätzliche Zeit.
Am vorletzten Tag herrschte zunächst komplette Flaute. Immer wieder keimte Hoffnung auf, doch der Wind setzte sich lediglich an Land durch. Auf dem Wasser wollte er sich nicht richtig etablieren. Zwischen 16 und 17 Uhr wurde schließlich endgültig abgebrochen.
Stattdessen machten wir uns auf zum Championship Dinner in der Innenstadt. Neben der Ehrung der Tagessieger gab es eine Tombola und anschließend ein hervorragendes Buffet. Ein rundum gelungener Abend.
Auf dem Rückweg zum Camp setzte spätabends schließlich doch noch eine angenehme Brise mit etwa vier Beaufort ein, die bis in den späten Vormittag des Finaltages anhielt. Rein formal hätte man unter diesen Bedingungen durchaus ein, vielleicht sogar zwei Rennen segeln können. Die erste Startmöglichkeit war allerdings auf 12 Uhr festgelegt.
Im Nachhinein war das natürlich etwas ärgerlich. Andererseits hatten nahezu alle Wettermodelle Wind ab 13 Uhr vorhergesagt. Tatsächlich flaute der Wind jedoch bereits während des Auslaufens gegen 11 Uhr immer weiter ab, bis schließlich nahezu komplette Windstille herrschte. Mit Ach und Krach erreichten wir überhaupt das Regattagebiet.
Dann begann das Warten.
Gegen 14 Uhr zeichnete sich am Horizont eine dunklere Wasserfläche ab. Auch ohne den Protagonisten Ole Storm aus Jans Roman Die Farbe der See ließ sich erkennen, dass es mit der letzten Startmöglichkeit um 15 Uhr äußerst knapp werden würde.
Um 14:35 Uhr lag schließlich das Kursdreieck, musste aber mehrfach angepasst werden – es fehlten einfach noch ein bis zwei Knoten Wind. Um 14:49 Uhr ertönte schließlich das Ankündigungssignal. Was für eine Spannung! Das Trinkwasser war längst leer, die Sonne brannte, und dann doch noch der Start.
Ich entschied mich für die Mitte links, war jedoch etwas zu zögerlich und wurde zwischen zwei Booten eingeklemmt. Kurz darauf dann die Erleichterung: Allgemeiner Rückruf. Ein neuer Start war allerdings nicht mehr möglich – die letzte Startmöglichkeit um 15 Uhr war erreicht.
Mit einem Schlag fiel die Anspannung von mir ab. Gleichzeitig blieb das etwas unbefriedigende Gefühl zurück, zwei Tage nahezu ohne Segeln erlebt zu haben.
Zu beurteilen, ob eine Anpassung der Startzeit am letzten Tag sinnvoll gewesen wäre, möchte ich an dieser Stelle anderen überlassen. Wie so oft gibt es gute Argumente für beide Seiten. Fest steht jedoch, dass ein Teil des Feldes aufgrund der beiden Starkwindtage effektiv nur einen einzigen Regattatag absolvieren konnte.
Die Siegerehrung war trotz einiger vorzeitiger Abreisen gut besucht. Den unterschiedlichsten Bedingungen hatten am Ende der Geheimfavoriten Pim van Vugt und Olga Henneberg am besten getrotzt. Zweiter in der Liste wurde Mark Bulka, Platz drei belegte Graeme Willcox aus Großbritannien.
Für mich stand am Ende völlig unerwartet Platz vier zu Buche – ein Ergebnis, das ich mir vor der Veranstaltung niemals ausgemalt hätte. Max folgte aus deutscher Sicht auf Rang sechs, und Jan belegte in seiner Revival-Saison einen beachtlichen 14. Platz.
Insgesamt nahmen 94 Boote an der Weltmeisterschaft teil. Nach dem Rekordfeld am Gardasee im vergangenen Jahr ist das für eine internationale Bootsklasse weiterhin eine solide Teilnehmerzahl.
Rückblickend bleiben vor allem die familiäre Atmosphäre, das stets freundliche internationale Miteinander und die sportliche Herausforderung auf dem Wasser in Erinnerung. In diesem Zusammenhang möchte ich mich nochmals herzlich bei allen Unterstützern, Helfern und Ausrichtern der Veranstaltung bedanken.
Ganz unkritisch soll dieser Rückblick jedoch nicht enden. Die Höhe der Meldegelder belastet mittlerweile spürbar die private Reisekasse. Das diesjährige Startgeld zeigt deutlich, dass auch im Regattasport die allgemeine Preisentwicklung angekommen ist. Bei Wochenendregatten mag das subjektiv noch eher zu verschmerzen sein. Wie sich diese Entwicklung in Zukunft fortsetzt, bleibt abzuwarten. Vielleicht gehören solche Phasen einfach dazu.